Na, noch ein Zeitungsabo? Oder alles im Netz abgreifen? Ja, der Blätterwald wird lichter. Weltweit darben Zeitungen, verschwinden (ins Internet). Blätter, diese Institutionen der Aufklärung, der Information, der Kontrolle. Schreibmaschine, Fax, Computer, das Internet – die Evolution schreitet voran. Der Journalist verliert die Hoheit über die Information.

Wirklich? Die Konkurrenz wächst auf jeden Fall. So kippen immer mehr Twitterer und Blogger, Lobbyisten und Politiker ihre Wahrheit ins Netz. Das ist manchmal hui, manchmal pfui. Das liegt ja im Auge des Betrachters. Ungefiltert wird es bisweilen aufgesogen und als bare Münze genommen, wie ein Virus verbreitet, als Meldung verhökert. Als Eil-Meldung auf die Smartphones gejagt, ohne zweite Quelle, ohne Gegenrecherche, ohne die Meldung zu verifizieren. Da bimmelt es täglich auf meinem Gerät.

Schnelligkeit walzt die Sorgfaltspflicht nieder

Schnelligkeit walzt die Sorgfaltspflicht nieder. Vieles pflanzt sich so im Hirn der User ein; verdammt schwer, es da wieder rauszuschälen. Der Verlierer: Der Ruf / die Glaubwürdigkeit der Journalisten / des Journalismus. Oder wie es so schön in der TV-Serie „The Newsroom“ hieß, als man eine zweite Quelle brauchte: Der Mensch entscheidet über den Tod, nicht die Nachrichten anderer Sender.

Ich finde, mehr denn je braucht es Leute, die aus der Flut an Informationen die wirklich wichtigen Meldungen auswählen und verifizieren. Sie erklären, vertiefen, aufbereiten. So auch ihren Job als vierte Gewalt in einer Demokratie ausüben. Weshalb die Medienhäuser tunlichst weiterhin neugierige Leute sorgsam und umfassend ausbilden sollen, für Print, Online, TV.

Was ist schon quotengeile Relevanz

Schon verrückt, wie Redaktionen in Echtzeit das Echo auf ihre Online-Artikel prüfen, Überschriften umwerfen, neu schreiben, wenn eine nicht läuft, in die Tonne kloppen. Wie sie Diskurse in sozialen Netzwerken durchforsten und auswerten – zählt nur die Quote? Oder liegt da das wahre Interesse der Leute, welches wir einfach nur klug aufbohren müssen? Wie auch immer: Wir sind multimediale Geschichtenerzähler. Hauptsache, die Story ist wahr, richtig, relevant, sauber recherchiert. Die (digitale) Evolution geht weiter – mein (digitales) Zeitungsabo bleibt. Die virtuelle Feder, entschleunigt geschwungen, schlicht köstlich.


Noch was spannendes:

Und noch ein TV-Tipp

 

 

 

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3 Gedanken zu “Sie lebt, die Zeitung! Es wird noch lange im (digitalen) Blätterwald rascheln

  1. Solange alles nach der gleichen DPA-Meldung klingt, mit zarten Korrekturen je nach der politischen Richtung, werden die etablierten Journalisten sich schwer tun glaubwürdiger zu gelten als Twitter und Co.

      1. Das wäre schön. Und, wenn die Informationen wieder mehr Breite gewinnen würde.
        Ich habe, leider bekomme ich ihn nicht mehr, Euro-News sehr geschätzt.
        Weil nicht ständig, aus den gleichen Ländern, die immer gleichen Themen abgehandelt wurden, sondern „Hey die Welt hat ja über 200 Nationen“ die „Unwichtigen“ auch mal Thema waren.
        Es ist, wie in der Politik: Kein Unterschied mehr zwischen den Parteien, nur noch ein marginaler Unterschied zwischen ARD, ZDF, RTL, SAT!, etc.
        Es bedroht, und das merken die Medienschaffenden zu wenig, die Demokratie an sich, wenn es keine erkennbare 4. Kraft mehr gibt.

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