Die Helden der Presse riskieren Kopf und Kragen

presse3Respekt! Sie bringen sich in Teufelsküche. Ja: Sie riskieren Kopf und Kragen, bisweilen sogar buchstäblich: Wenn Journalisten fiese Skandale aufdecken, miese Machenschaften enthüllen oder unerschrocken den Mächtigen der Welt die Stirn bieten – sie sind die Helden der Pressefreiheit. Es steht schlecht um sie.

Ein wohliges Gefühl, wenn tausende Reporter mit Stift und Block oder Kamera und Mikrofon bewaffnet wie Bienen ausschwärmen, um den Mächtigen dieser Welt auf die Finger zu schauen, womöglich auf die Finger zu klopfen.  Wenn sie Leute fragen, sich mit kruden Antworten nicht zufrieden geben, nachbohren, nachhaken; wenn sie recherchieren, wenn sie sich in Themen vergraben, sich sprichwörtlich ins System wie ein Maulwurf wühlen – um dem Merkwürdigen nachzuspüren. Dem Skandal, der Intrige, der Machenschaft, der Verlogenheit, dem Despoten, der Ungerechtigkeit.

Ja, dann kommen dabei lokale wie globale Geschichten zu Tage, die fette Schlagzeilen machen. Der skandellüsterne, aber erfolgreiche Verleger Joseph Pulitzer hätte seine wahre Freude daran. Nur so kann ein demokratisches Grundwesen in Takt bleiben. Wenn die Presse die Freiheit hat; wenn Journalisten furchtlos ihrer Arbeit nachgehen können. Ohne sich stets um ihr Leben oder das Leben ihrer Angehörigen zu grämen.

Pressefreiheit
Grün: frei – Orange: teils frei – Blau: nicht frei

Doch es herrschen keine guten Zeiten. Weltweit wird die Arbeit von Journalisten zusehends behindert, die Pressefreiheit schwindet, wie es im Jahresbericht der Organisation Freedom House steht:

  • Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in „nicht freien“ Regionen, wo die Presse Restriktionen unterworfen ist.
  • Wo Journalisten kaum vernünftig arbeiten können, weil strenge Gesetze gelten oder
  • weil die politische Einflussnahme enorm ist oder der Zugang zu Informationen massiv behindert wird.
  • Wo Journalisten schikaniert, verfolgt oder ermordet werden.

Journalisten gehen ja ihrem Job nicht nur aus Jux und Dollerei nach. Sie haben eine wichtige Aufgabe, die Öffentlichkeit zu informieren, mit wahren Fakten zu versorgen, auf Missstände aufmerksam zu machen. Als vierte Gewalt quasi aufzupassen, dass die Politiker oder die Wirtschaft es nicht zu dolle treiben. Also nicht nur seichten Häppchen-Journalismus zum Zeitvertreib zu servieren. stinkefinger

Hehre Worte, ein alltäglicher Kampf – für Journalisten, Blogger, Verleger. Manche kommen dabei ums Leben, vornehmlich lokale Reporter, die laut UNESCO über Korruption und Kriminalität in ihrer Stadt schrieben – alles andere als wagemutige Kriegsreporter, wie die von Taliban erschossene Fotografin Anja Niedringhaus. Die Reporter ohne Grenzen würdigen nun am Tag der Pressefreiheit die „Helden der Pressefreiheit„. Sie listen 100 Medienvertreter und Online-Aktivisten auf, Leute wie etwa den US-Enthüllungsreporter Glenn Greenwald oder Mazen Darwish aus Syrien. „Diese leisten gerade in repressiven Staaten einen unermesslichen Beitrag für die Entwicklung ihrer Gesellschaft„, sagt ROG-Vorstandssprecherin Astrid Frohloff. Auch Kollegen des ZDF haben Probleme mit der Staatsmacht in Äthiopien, wo Kritik teuer bezahlt wird.

Aber in Zeiten von Überwachungsprogrammen a la Prism & Co. fällt es auch den Journalisten immer schwerer, ihre Quellen zu schützen. Das treibt beispielsweise dem NSA-Enthüller Barton Gellman die Sorgenfalten auf die Stirn, wie der Journalist der Washington Post im ZDF-Interview schildert. Vielerorts würden Journalisten sogar auf technische Vorkehrungen verzichten, ein Unding, findet Jillian York, Direktorin der Pressefreiheitsorganisation Electronic Frontier Foundation. Die Überwachung tut der Pressefreiheit nicht gut, die ja hilft, die Demokratie so messbar wie das Wetter zu machen. Die Pressefreiheit ist halt ungemütlich für die Regierenden.

Selbst in Demokratien geraten Journalisten, Blogger, Chefredakteure ins Visier des Staates, wie das Beispiel des Guardians oder Gleen Greenwald rund um die Snowden-NSA-Enthüllungen zeigen. Oder auch in der Türkei, wo Erdogan Twitter und Youtube den Stecker ziehen wollte. Da braucht es allenthalben an Rückrat. Auch hierzulande. Hier könnte man den Eindruck gewinnen, dass Journalisten die Pressefreiheit verschlafen. Es geht um eine Petition, die für ein Presseauskunftsgesetz streitet. Also das Behörden mehr preisgeben. Das scheint die Branche kaum zu jucken. Sind wir zu verwöhnt? Warum blockiert da die Politik? Will da jemand um Gottes Willen nicht in Teufels Küche kommen? Lauter Fragen, wir risikieren hierzulande nichts, ihnen nachzugehen.


Zur Vertiefung:

Ps.: Der Jahresbericht der Organisation Freedom House

Ps.: Die Reporter ohne Grenzen und ihre: 100 Helden der Pressefreiheit

Ps: Der World Press Freedom Index

Ps.: Daten von der UNESCO:

Ps.: Die Website der Reporter ohne Grenzen

Ps.: Einführung ins Thema & die Enthüllungs-Dokumente haben der Guardian: Die NSA-Files und die Washington Post Die NSA-Secrets – beide erst unlängst für ihre NSA-Recherche & Storys mit dem Pulitzer-Preis gewürdigt.

Ps.: Hierzulande bieten der presse2NDR & die Süddeutsche Zeitung ein dickes Angebot rund um NSA, Prism etc: Geheimer Krieg

Ps.: Mein Blog: NSA-Enthüller gibt seltene Einblicke in seine Arbeit

Ps.: Interview mit dem Snowden-Vertrauten Gleen Greenwald im Die Schockierendste Story wurde noch nicht veröffentlicht” (ZDF)

Ps.: Petition zum Presseauskunftsgesetz

Ps.: Pressefreiheitsorganisation Electronic Frontier Foundation

Ps.: Neues journalistisches Onlinemedium rund um Greenwald The Intercept

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