googleIch fands schon immer etwas seltsam. Da gehen erwachsene Leute durch die Gegend, Kopf und Körper nach vorn  gebeugt, fingern sie am Smartphone und taumeln wie Zombies durch die Gegend. Und manche brummeln auch noch irgendwas, aber niemand steht vor ihnen. Zombies halt! Und jetzt gesellen sich dazu womöglich noch die digitalen Brillen dazu namens Google Glass, der neuste Hit aus den USA – aber der lässt selbst die technikverrückten USA argwöhnisch werden. Eine neue Form der Überwachung?

Irgendwie hauchen diese Brillen, deren Träger uns dreist und unbemerkt fotografieren können, dem Gruselschocker „1984“ neues Leben ein.  Es ließ mich einst schon schön schraurig gruseln. FotoWenn Big Brother das Leben ausleuchtet, alles ins Rampenlicht zerrt. Heute schreiben wir 2014. Guckt mich da ein Google-Glass-Träger direkt an, guckt mich dann auch NSA an? Oder Wolfgang Schäuble? Oder mein Chef? Oh, das geht jetzt zu weit, sonst muss ich wieder vortanzen. Der hat doch gewiss kein Zugriff auf die Google Server, auf denen die ganze Daten landen. Aber wer weiß, wer mit wem unter einer Decke steckt. Seit den Edward Snowden Enthüllungen sieht man die Welt mit anderen Augen. Wie sich etwa die NSA fast diebisch übers iPhone freut, dass sich an Millionen Menschen sprichwörtlich angewanzt hat.

Nach der Wanze nun die Brille? Vielleicht bleibt sie auch ein bleischwerer Ladenhüter. Bislang wächst die Kritik in den USA. Optisch kommt sie gar nicht an, und auch moralisch ist sie vielen suspekt – und das in einem datenschutz-verlorenen Land. Das Technologiemagazin Wired etwa wünscht der verschwünschten Brille bereits das Ende.

Welche Kritik prallt eigentlich auf Google Glass:

  • Es gedeihen erstmals so etwas wie Technologie-Ängste in den USA
  • Es entpuppt sich für manchen als Emblem des Privatsphärenverlusts
  • Es gilt einigen als Waffe auf den Nasen voyeuristischer Nerds
  • Es ist möglicherweise nur was für selbsternannte Privatsphärenmilizen
  • Es sind am Ende vielleicht auch nur Glassholes, „Arschlöcher mit Brillen“.

Es sind Brillen, die auf jeden Fall den Datenschutz empfindlich verletzen. Stelle ich mir vor, wie mich so eine Kamera fotografiert, der Gegenüber das Machwert ungefragt auf Facebook hochlädt und der Chef merkt, der Kollege recherchiert gerade an der Cafebar. Ich müsst schon wieder antanzen. Medienwissenschaftler sind argwöhnlisch: “Wir haben es hier mit einem Instrument zu tun, das, massenhaft eingesetzt, auch zu massenhafter Rechtsverletzung führen wird“, sagt Medienrechtler wie Jan Hegemann in der ARD. Andere sprechen von einer Waffe, die Persöhnlichkeitsrechte verletzte, sagt Datenschützer Thilo Weichert:

Alles nur Panikmache? Alles nur altmodisches Auflehnen gegen die Moderne? Was ist schlimm daran, wenn Tausende Augen im Auftrag des Suchmaschinisten Google – auch NSA, BND, Chef? – durch die Welt baumeln wie Zombies. Ist Google-Glass nur ein weiterer Schritt zur totalen Überwachung? Oder alles nur ein weiterer Schritt zur totalen Hysterie?

Wie auch immer: Ich mag nicht ungefragt gefilmt werden. Jedenfalls macht die Brille es greifbar, sichtbar, dass da jemand ist, der einen gerade mit ganz anderen Augen anguckt, mit mehreren Augen.


Zum Vertiefen:

Ps.: DaSnowdenvon ist die Rede: So beschreibt Google „Google Glass“

Ps.: Das Video mit den Datenschützern von Kontraste über die Brille (ARD)

Ps.: Weitere Infos über die Brille von Heise

Ps.: Das NSA-Archiv

Ps.: Viele Links zur NSA-Affäre in meinem Blog dann lässt Putin Snowdne zuschalten

Ps.: Ein Wort für Google Glass It’s Time to Stop Hating Google Glass (Slate)

Ps.: Google Glass im Test (ZDF morgenmagazin)

Ps.: Interessanter Google-Hangout mit mit Gunnar Sohn und dazugehörigen Artikel Von wegen Glassholes

Ps.: Über IT am Körper: Tschüss Privatsphäre (ZDF heute.de)

Advertisements

3 Gedanken zu “„Waffe“ Google Glass – wenn 1000 Augen dich angucken

  1. Unabhängig von der Datenschutz-Problematik, geht es m.E. nur um die Einführung/Verbreitung eines weiteren „must have“, was zu Umsatz, Umsatz, Umsatz führen soll – leider! Fängt einer damit an, folgen die Dummen, die Neider… So soll es sein. Wir definieren uns halt zu oft über das Haben und nicht über das Sein. Verzichten? Geht gar nicht…
    Google schlage ich gleich ein neues Produkt vor: die Google-Maske: für alle die in der Cafebar inkognito sitzen wollen. Das könnte definitiv in Zeiten von Google-Glass ein Erfolg werden… 😉

      1. Wenn bloß aus all dem Gewinn und Macht etwas gescheites entstehen würde… Wie z.B. anständige Gehälter und Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Gerätehersteller in China… (oder wo immer die gebaut werden – ich weiß es nicht!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s